Vielleicht kennst du dieses Gefühl: Du suchst. Immer. Nach Antworten, nach Struktur, nach einem klaren Plan. Nach einer Methode, die endlich alles in Ordnung bringt. Du liest Bücher, meldest dich für Programme an, probierst neue Routinen, neue Ernährung, neue Rituale. Du hoffst auf den Kurs, die Erkenntnis, die Wahrheit. Und obwohl du so vieles weißt – fühlt es sich trotzdem oft nicht an, als wärst du wirklich angekommen.
In meiner Praxis begegne ich vielen Frauen, die genau damit zu mir kommen: Mit einem unstillbaren inneren Drang, sich endlich zu finden. Und der gleichzeitigen Erschöpfung, weil das ständige Streben nach Antworten kein Ende nimmt.
Sie konsumieren Wissen, vergleichen sich auf Instagram, springen von einer Inspiration zur nächsten. Und darunter liegt oft ein tiefes, leises Gefühl: Irgendwas an mir fehlt. Ich bin noch nicht richtig. Noch nicht ganz.
Warum dich dein Streben nach Antworten immer weiter von dir selbst entfernt
Das Streben nach Antworten entsteht nicht aus Neugier allein. Oft wurzelt es in einem frühen Gefühl von Unklarheit: Ich weiß nicht, was richtig ist. Ich brauche jemanden oder etwas, das mir sagt, wie ich sein soll.
Was als Kind fehlte, war oft jemand, der dir half, dich innerlich zu orientieren. Vielleicht warst du ein sensibles, wahrnehmendes Kind. Aber niemand fragte: „Welche Ideen hast du dazu? Was brauchst du gerade? Wie fühlt sich das für dich an? Was ist dir wichtig?“
Stattdessen hast du gelernt:
- Ich muss mich anpassen.
- Ich darf nicht zu viel sein.
- Ich bekomme Zuwendung, wenn ich funktioniere.
Und so entstanden Glaubenssätze wie:
- Ich muss es nur richtig machen, dann wird es gut.
- Andere wissen besser, was richtig ist.
- Ich bin nicht genug.
Diese Sätze begleiten viele Frauen bis ins Erwachsenenalter. Und sie treiben das unaufhörliche Streben nach Antworten an, das sich oft in Selbstoptimierung, Weiterbildung und innerer Unruhe zeigt.
Die psychologischen und neurobiologischen Folgen des ständigen Suchens
Neurobiologisch betrachtet ist dein System in einem Zustand ständiger Aktivierung. Der Sympathikus, also der Teil des Nervensystems, der für Leistung und Zielverfolgung zuständig ist, steht dauerhaft unter Strom.
Was fehlt, ist die Aktivierung des ventralen Vagusnervs: jener Teil des Nervensystems, der Verbindung und innere Sicherheit ermöglicht. Ohne diese Verbindung bleibt das System im „Tun-Modus“ – und entfernt dich immer weiter von deinem eigenen Erleben.
Jede neue Suche, jeder neue Versuch, noch „besser“ zu werden – noch mehr Wissen zu konsumieren, kann diese innere Entfremdung verstärken. Weil sie dich immer wieder ins Außen bringt. Und die wichtigste Verbindung unterbricht: die zu dir selbst.
Was du wirklich suchst
Vielleicht suchst du gar nicht die perfekte Methode. Vielleicht suchst du das Erleben von:
- Ich bin in Ordnung. Jetzt.
- Ich bin verbunden mit mir, auch wenn ich gerade keine Antwort habe.
- Ich darf sein, ohne mich zu optimieren.
Was wir wirklich brauchen, ist kein weiteres Wissen. Sondern ein sicherer Ort in uns selbst. Ein Ort, an dem nichts mehr bewertet wird. Sondern einfach sein darf. Wo Gefühle willkommen sind. Wo Nichtwissen kein Mangel ist, sondern ein Zustand von Offenheit.
Was das nicht bedeutet – und was du trotzdem beobachten darfst
Das alles heißt nicht, dass du aufhören solltest, dich weiterzuentwickeln oder neugierig zu bleiben. Im Gegenteil: Sich selbst besser zu verstehen, neue Perspektiven kennenzulernen und sich weiterzubilden, kann eine wunderbare Bereicherung sein.
Aber vielleicht magst du dich beim nächsten Buch, Kurs oder Coaching einmal selbst beobachten:
- Wie lange und wie tief beschäftigst du dich wirklich mit den Inhalten?
- Oder bist du innerlich schon wieder auf der Suche nach dem Nächsten?
Diese Fragen können ein feines Indiz sein. Nicht für ein Versagen – sondern für ein inneres Muster, das vielleicht eher nach Sicherheit als nach Wissen sucht.
Sei da ganz ehrlich mit dir. Und gleichzeitig liebevoll. Denn dein Streben nach Antworten ist kein Fehler. Es ist ein Ausdruck von Sehnsucht. Und genau diese Sehnsucht verdient es, gesehen zu werden.
Wege zur Rückverbindung mit dir selbst
Was dir helfen kann:
- Stille üben: Nicht als Methode, sondern als Einladung. Mal nicht konsumieren, sondern wahrnehmen.
- Den Körper als Anker finden: Wo spüre ich heute Enge, Weite, Kontakt?
- Täglich fragen: „Was ist gerade da in mir? Nicht: Was fehlt – sondern: Was ist da?“
- Wissen loslassen: Einmal die Podcastfolge nicht hören. Stattdessen dich selbst befragen.
- Sich fragen: Was wäre, wenn ich heute mal nicht nach der nächsten Antwort suche?
Und vielleicht auch: Dir zu erlauben, dass in dir wirken und aufblühen zu lassen, was schon längst in dir ist.
Deine ständige Suche ist kein Fehler – sondern ein Ruf nach Verbindung
Wenn du dich darin wiederfindest, bist du nicht allein. Viele Frauen suchen im Außen, was im Inneren nach Verbindung ruft. Und hinter dem Streben nach Antworten steckt oft ein tiefes, echtes Bedürfnis: endlich bei sich selbst anzukommen.
Wenn du erfahren möchtest, wie ich Frauen begleite, von diesem inneren Getrieben-Sein in eine ruhige, echte Verbindung mit sich selbst zu kommen, findest du hier mehr über mich und meine Arbeit.
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👉 Die Funktionierende – Wenn du alles im Griff hast, aber innerlich nie zur Ruhe kommst
👉 Die Kümmerin – Wenn du das Gleichgewicht für alle hältst
👉 Die Starke – Wenn du dich für alles verantwortlich fühlst, obwohl du selbst erschöpft bist
👉 Die Unsichtbare – Wenn du dich ständig anpasst und trotzdem unsicher bleibst
Schön, dass du hier bist.
Schön, dass du mitliest.
Herzlichst, deine Stefanie Trilling
Praxis für ganzheitliche Psychotherapie – Düsseldorf