In den vorherigen Artikeln haben wir über die Mechanismen der Bulimie gesprochen – darüber, wie sie scheinbar hilft, aber am Ende alles nur schlimmer macht. Doch neben den seelischen Folgen gibt es auch die körperlichen. Bulimie bleibt nicht ohne Konsequenzen – sie greift nicht nur den Magen an, sondern das gesamte System: Organe, Nerven, Stoffwechsel, Hormone, das Gehirn.
Und genau das macht die Krankheit so gefährlich: Die Schäden sind oft unsichtbar, aber tiefgreifend.
Wenn der Körper nicht mehr bekommt, was er braucht
Bulimie bedeutet nicht nur Erbrechen – sie bedeutet Mangel. Mangel an Nährstoffen, an Energie, an Stabilität. Der Körper bekommt nicht, was er braucht, um gesund zu funktionieren. Und das hat Folgen:
Schäden an Magen und Darm: Durch das ständige Erbrechen wird die Magenschleimhaut gereizt, es kommt zu Schmerzen, Krämpfen, Blähungen. Sodbrennen, Verdauungsstörungen und langfristige Schäden an der Speiseröhre sind häufig. In schweren Fällen kann es zu Rissen in der Speiseröhre oder inneren Blutungen kommen.
Herzprobleme durch Kaliummangel: Erbrechen entzieht dem Körper lebenswichtige Elektrolyte – vor allem Kalium. Ein Kaliummangel kann zu Herzrhythmusstörungen führen, im schlimmsten Fall sogar zu einem Herzstillstand.
Hormonelle Störungen: Viele Betroffene haben unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationszyklen. Der Körper schaltet auf „Überlebensmodus“ und stellt Funktionen ein, die nicht überlebensnotwendig sind – wie die Fortpflanzung.
Zahnschäden: Magensäure greift die Zähne an, führt zu Karies, Erosionen und erhöht die Empfindlichkeit. Viele Betroffene haben nach Jahren der Bulimie massive Zahnschäden.
Beeinträchtigung des Gehirns: Der Mangel an Nährstoffen wirkt sich direkt auf das Gehirn aus. Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Reizbarkeit, depressive Verstimmungen – all das sind direkte Folgen der Mangelernährung.
Stimmungsschwankungen und Depressionen: Essen beeinflusst direkt unsere Stimmung. Wenn das Gehirn unterversorgt ist, können depressive Symptome und starke Reizbarkeit auftreten. Das ist nicht nur eine psychische Reaktion auf die Krankheit – es ist eine direkte körperliche Konsequenz.
Wenn Heilung bedeutet, den Körper wieder zu nähren
Viele Betroffene sind sich der körperlichen Schäden bewusst – und doch ist es schwer, daraus Konsequenzen zu ziehen. Denn Bulimie fühlt sich oft wie die einzige Möglichkeit an, mit allem fertig zu werden.
Doch der Körper braucht Stabilität. Regelmäßige Mahlzeiten, echte Nährstoffe, genug Energie. Nicht nur, um körperlich gesund zu werden – sondern auch, um den Kopf klarer und die Emotionen ausgeglichener zu machen.
Vielleicht haben Sie bisher gedacht, dass Ihre Essstörung nur eine psychische Sache ist – doch Ihr Körper spricht eine andere Sprache. Er arbeitet immer für Sie, auch wenn er erschöpft ist.
Wenn Sie sich hier wiedererkennen, wenn Sie wissen, dass Ihr Körper leidet, dann stellen Sie sich eine Frage: Wie lange soll das noch so weitergehen? Wie lange soll Ihr Körper noch gegen den Mangel, die Erschöpfung, die Unsicherheit angehen?
Ihr Körper ist ein treuer Freund, der Sie von der ersten bis zur letzten Sekunde in diesem Leben begleitet. Er ist es, der immer für Sie ist – egal wie Sie bisher mit ihm umgegangen sind.
Vielleicht ist jetzt der Moment, in dem Sie ihm etwas zurückgeben möchten. Eine kleine Mahlzeit. Ein Moment der Fürsorge. Ein erster Schritt – raus aus dem Kreislauf, hin zu einem Leben, in dem Essen keine Angst mehr macht.
Schön, dass Sie hier sind.
Ihre Stefanie Trilling
Praxis für ganzheitliche Psychotherapie – Düsseldorf