Vielleicht geht es Ihnen so: Sie wachen früh morgens auf, können nicht mehr schlafen obwohl sie sich erschöpft fühlen und die Gedanken kreisen um die Herausforderungen des Tages. Der Gedanke an den Tag macht Sie nicht neugierig, sondern schwer. Die Dinge, die Ihnen früher Freude gemacht haben, lassen Sie heute eher kalt. Und trotzdem – Sie machen weiter, funktionieren, erledigen alles Notwendige.
Vielleicht fragen Sie sich in stillen Momenten: „Was ist eigentlich mit mir los?“
Könnte das eine Depression sein?
In diesem ersten Artikel möchte ich Sie mitnehmen in das Thema Depression. Denn diese Erkrankung ist viel weiter verbreitet, als viele denken. Und sie sieht längst nicht immer so aus, wie man es sich vorstellt.
Depressionen gehören weltweit zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Millionen von Menschen sind betroffen – und viele davon wissen es nicht einmal. Sie denken, sie seien einfach gestresst, empfindlich, überfordert oder „nicht belastbar genug“.
Aber eine Depression ist keine Charakterschwäche. Sie ist eine psychische Erkrankung, die viele Gesichter haben kann. Und sie ist behandelbar.
Was mich in meiner Arbeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie besonders bewegt: Wie oft Betroffene sich selbst nicht ernst nehmen. Wie oft sie sich durchbeißen, lächeln, obwohl sie innerlich längst nicht mehr können.
Deshalb schreibe ich diese Artikelserie. Um aufzuklären. Um zu zeigen: Sie sind nicht allein. Und es gibt Hilfe.
Die vielen Gesichter der Depression
Nicht jede Depression sieht gleich aus. Es gibt unterschiedliche Formen und Schweregrade – und manche schleichen sich so leise in unser Leben, dass wir sie kaum bemerken.
Hier ein kleiner Überblick über einige Formen, auf die ich auch in den kommenden Artikeln genauer eingehen werde:
Langanhaltende depressive Verstimmung – die Dysthymie
Ein ständiges Gefühl von Traurigkeit, Müdigkeit, geringer Selbstwert. Oft seit Jahren. Es gibt gute und „normale“ Tage, demgegenüber stehen häufig über Monate Phasen in denen jede Aktivität als anstrengend empfunden wird und keine Genussfähigkeit besteht. Viele denken: „Ich bin halt so“ – dabei steckt dahinter oft eine chronische, aber behandlungsbedürftige Depression.
Die getriebene Depression – die agitierte Form
Nach außen hin wirken Betroffene aktiv, funktionieren gut – aber innerlich sind sie voller Unruhe, gehetzt, gequält. Gedanken kreisen unaufhörlich, Schlaf ist schwierig, Ruhe fast unmöglich.
Wenn der Körper spricht – die larvierte Depression
Statt Traurigkeit zeigen sich körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme oder Herzrasen – ohne organische Ursache. Die Depression ist dabei wie in einer Larve versteckt. Die körperlichen Beschwerden sind Ausdruck einer nicht gelebten depressiven Verstimmung.
Unterschiedliche Schweregrade – von leicht bis schwer
Von leichten Stimmungseintrübungen über Antriebslosigkeit bis hin zur tiefen Dunkelheit, in der nichts mehr geht. Entscheidend ist nicht nur, wie stark die Symptome sind, sondern wie lange sie andauern und wie sehr sie den Alltag beeinträchtigen.
Woran erkenne ich eine Depression?
Es gibt einige Anzeichen, die bei fast allen Formen einer Depression auftreten – unabhängig von der Schwere:
Eine anhaltend gedrückte, traurige oder gereizte Stimmung (über mindestens zwei Wochen)
Ein Verlust an Freude und Interesse – selbst bei Dingen, die früher wichtig waren
Ein ständiges Gefühl der Erschöpfung oder inneren Leere
Dazu können weitere Symptome kommen wie:
Schlafprobleme
Appetitveränderungen
Konzentrationsstörungen
Schuldgefühle oder Selbstzweifel
Körperliche Beschwerden ohne Befund
Gedanken, dass das Leben keinen Sinn mehr macht
Wenn Sie sich hier wiedererkennen – auch nur in Teilen – nehmen Sie sich ernst. Ihre Empfindungen sind real. Und es ist okay, Hilfe anzunehmen.
Es gibt Wege – und es gibt Hilfe
Auch wenn es sich manchmal aussichtslos anfühlt: Depressionen lassen sich behandeln. Es gibt viele Wege. Dazu gehören ein Verständnis für sich selbst und die Erkrankung, Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, unterstützende Medikamente (in bestimmten Fällen), körperliche Aktivität, kreative Ausdrucksformen und vieles mehr.
Wichtig ist der erste Schritt: sich jemandem anzuvertrauen.
Das kann sein:
Hausarzt/Hausärztin – hier kann Hilfe vermittelt werden
Psychotherapeutische Praxen – auch Heilpraktiker für Psychotherapie können ein erster Schritt sein
Beratungsstellen in Ihrer Region
Die Telefonseelsorge (0800 1110111 oder 0800 1110222) – anonym und rund um die Uhr
Die App „Hilfe-Kompass“ der Deutschen Depressionshilfe, um lokale Angebote zu finden
Selbsthilfegruppen – vor Ort oder online
Bitte glauben Sie mir: Sie sind nicht allein. Und Sie müssen da nicht allein durch.
Wie es weitergeht – Die nächsten Artikel dieser Reihe
In den kommenden Wochen erscheinen weitere Artikel, in denen ich auf die unterschiedlichen Formen und Symptome der Depression eingehe – anschaulich und verständlich.
Danach widmen wir uns intensiver den Fragen:
Wie entsteht eine Depression?
Welche Rolle spielt unser Gehirn dabei?
Was können wir tun, um wieder Kraft und Lebensfreude zu finden?
Ich wünsche Ihnen vor allem eines: Dass Sie sich selbst mit liebevolleren Augen betrachten und ein Experte für sich selbst werden.
Schön, dass Sie hier sind.
Ihre Stefanie Trilling
Praxis für ganzheitliche Psychotherapie – Düsseldorf